Mutter. Neue Bilder in zeitgenössischer Kunst (Graz, 2010)

Ein sehr interessantes Ausstellungsprojekt aus dem Jahr 2010  gestoßen, das ein ähnliches Ziel wie dieser Blog verfolgt.

Die Ausstellung widmet sich laut den Kuratoren Johannes Rauchenberger / Roman Grabner der Frage:

„wie Künstlerinnen und Künstler, denen von jeher ein feines Sensorium für gesellschaftliche Stimmungen zugeschrieben wurde, die Rolle der Mutter heute sehen. Es geht um Anlehnungen an vorgegebene Muster und Neuerfindungen.“ (Rauchenberger / Grabner, 2010)

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Mutter. Neue Bilder in zeigenössischer Kunst. Graz, 2010.

Die Bilder der Ausstellung mit Kurztexten finden sich in diesem .pdf (Programmzeitung des Kulturzentrums).

Das inspirierende Dossier der Ausstellung wird vom Kulturzentrum in Graz ebenso bereitgestellt.

 Die „prägende Figur des Abendlandes“ für Mutterkunst? Die Madonna.

Was oder wer hat die Kunst zum Thema Mutterschaft am meisten angeregt? Der Einführungstext der Grazer Ausstellung erklärt:

„Glück, Intimität, Abgrenzung, Feminismus, Transkulturalität und Prekariat sind ebenso ein Thema wie die grundsätzliche Frage, ob man in der Lage ist, ein Kind nicht nur zu gebären, sondern auch großziehen zu können. Mythische und archaische Bilder von Mutterschaft und nicht zuletzt die kulturelle Erinnerung an jene Figur des Abendlandes, die die Kunst am meisten angeregt hat – die Madonna mit dem Kind – bilden die kulturelle Matrix, auf der diese Ausstellung zusammengestellt wurde.“

(Rauchenberge /Grabner, 2010)

Die Madonna mit dem Kind.

Eine „kulturelle Erinnerung“, die nicht nur in der Kunst verarbeitet wird, sondern an vielen anderen Stellen im Diskurs auftaucht.

Rousseau über die Mutter

„Verschwendete Worte! Selbst der Überdruss an den Lustbarkeiten der Welt führt nicht mehr
zurück. Die Frauen haben aufgehört Mütter zu sein, und sie werden es nicht wieder: sie wollen es
nicht mehr sein. Selbst wenn sie es wollten, sie könnten es kaum. Da sich heute der gegenteilige Brauch eingebürgert hat, müßte jede Frau ihre gesamte Umgebung bekämpfen.(…) Dennoch gibt es manchmal noch junge Frauen, die der Mode und dem Geschrei trotzen und unerschrocken ihre natürlichen Pflichten erfüllen. Möge ihre Zahl sich vermehren durch das Glück, dass denen bestimmt ist, die sich diesen Pflichten unterziehen.“

(J.-J. Rousseau, Emile oder Über die Erziehung, 1762)

Der Mutterarchetyp nach C.G. Jung

„das „Mütterliche“: schlechthin die magische Autorität des Weiblichen; die Weisheit und die
geistige Höhe jenseits des Verstandes; das Gütige, Hegende, Tragende, Wachstum­,
Fruchtbarkeit und Nahrungsspendende; die Stätte der magischen Verwandlung, der
Widergeburt; der hilfreiche Instinkt oder Impuls; das Geheime, Verborgene, das Finstere,
der Abgrund, die Totenwelt, das Verschlingende, Verführende, und Vergiftende, das
Angsterregende und Unentrinnbare.“

(C.G.Jung, 1938)